Die Schlacht im Mund


Die „Schlacht im Mund“

Unser Wissen über die Normalbesiedelung mit Bakterien und Viren im Mund wissen wir zwar schon viel, aber immer noch zu wenig.

Bekannt ist nur, dass die Anwesenheit von Pilzen im Mund problematisch ist.

Eine ganze Anzahl von Bakterien und Bakterienstämmen brauchen wir sogar dringend. Sie stellen eine Art Schutztruppe gegen besonders aggressive andere Bakterien und gegen Viren dar.

Es handelt sich um rund 500 bekannte Bakterienarten, die in einem gewissen Gleichgewicht stehen und in der normalen Zusammensetzung nicht krankheitserregend sind. Wenn einige dieser Arten die Oberhand gewinnen, ist das Gleichgewicht bereits gestört und schon kann zu Ginvitiden und zu Parodontiden kommen.

MALDI-TOF-Massenspekrometrie
Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass sich jede Bakterienart in unterschiedlich aggressive Stämme gliedert, die sich ihrerseits in Laufe der Zeit bis in die Genstruktur hinein verändern können. Es bringt nichts, nur die Anwesenheit bestimmter Bakterien festzuhalten, sondern man muss auch deren aktuelle Aggressivität kennen.
Dazu gibt es ein Analyse-Verfahren, welches das Biochemiker-Team um Prof. Dr. Klaus Eschrich, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, für die Feinanalyse von Bakterien-Unterarten einsetzt: die sogenannte MALDI-TOF- (Matrix Assisted Laser Desorption/ Ionisation Time of Flight) Massenspektrometrie. Das Ergebnis solch einer Massenspektrometrie ist eine Grafik, auf der verschiedene Spitzen darauf hinweisen, welche Eiweiße bei einem bestimmten Bakterium besonders häufig vorkommen.

Wichtig wird es sein, in Zukunft zu erforschen, welche Faktoren die bekannte Bakterienstämme besonders aggressiv machen.

Epstein-Barr-Virus
Ein weiteres noch noch nicht genügend erforschtes Phänomen ist das Epstein-Barr-Virus (EBV), das in den 60er Jahren entdeckt wurde. Es gehört in die Klasse der Herpesviridae und ist als
•Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose) bekannt. Zudem wird es mit der Entstehung verschiedener
Lymphome sowie
epithelialer Malignome in Verbindung gebracht. Die Rolle des EBV bei der
aggressiven Parodontitis ist zwar noch nicht restlos erforscht, aber immerhin sind drei Viertel der Patienten mit aggressiver Parodontitis EBV-infiziert.

80–95% der Bevölkerung sind mit EBV infiziert
In den Entwicklungsländern ist so gut wie jeder Erwachsene mit EBV infiziert, bei uns bzw. allgemein in den Industrieländern sind immerhin schon „die meisten“, in Zahlen 80–95% der Bevölkerung. Die Seltenheit dieser so genannten EBV-assoziierten Erkrankungen ist darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem der meisten Leute den viralen Angriff gut im Griff hat.

Therapieziel: Viruslast reduzieren
Die Parodontitisbehandlung führt jeweils zu einer deutlichen Verringerung der Viruslast in Zahnfleischtaschen und Speichel, so dass dabei ebenso das Risiko der EBV-Übertragung zwischen nahestehenden Menschen reduziert werden kann.
Slots J et al.: Epstein-Barr virus in oral diseases. J Periodont Res 2006; 41: 235-244; www.dzn.de

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