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Bakterien fühlen sich im Kreise ihrer Verwandten fühlen
sie sich am wohlsten und mögen es gar nicht, ihrer gewohnten
Umgebung entrissen zu werden. Zähneputzen entreißt Mundbakterien
ihrer gewohnten Umgebung und fördert damit ihren Untgergang.
Allein in einem Milliliter Speichelflüssigkeit schwimmen
etwa eine Milliarde Bakterien und fühlen sich dort wie im Paradies:
Es ist schön feucht und warm und Nahrung gibt es auch genug.
Nun berichtet der amerikanische Biologe Kevin Foster von der Rice
University in Houston im Fachblatt "Science", 6, 2004,
wie man diese Bakterien ärgern kann. Selbst ohne Zahncreme
kann die Bürste demnach gute Dienste leisten: Das Putzen
entreißt die Bakterien ihrer gewohnten Umgebung und hindert
sie damit an einer konzertierten Aktion gegen die Zähne des
Menschen.
Lange Zeit nahm man an, dass es für ein Bakterium unwesentlich
ist, wo es durch die Gegend schwimmt. Doch auch diese Einzeller
legen Wert auf Gesellschaft - und zwar nicht auf irgendeine. Nur
mit ihren Verwandten können sie ihre ganze Kraft entfalten.
Gemeinsam produzieren sie Enzyme, die das Gewebe oder auch die Zähne
des Wirtes angreifen und dem gesamten Bakterienstamm zugute kommen.
Mit anderen Bakterienstämmen dagegen sind sie nicht bereit
zu teilen. Stattdessen kommt es zu einer Art Stammeskrieg: Sie produzieren
dann ein Gift, das die anderen Bakterien abtötet.
Dieses erstaunliche Sozialverhalten wurde kürzlich für
das Bakterium Pseudomas aeruginosa nachgewiesen. Pseudomonaden können
beim Menschen unter anderem Meningitis und Lungenentzündung
verursachen.
Bisher gingen Mediziner und Biologen davon aus, dass gerade das
Mixen verschiedener Bakterienstämme diese noch gefährlicher
für den Menschen mache. Zwar wusste man, dass die verschiedenen
Stämme vermutlich nicht miteinander kooperieren. Doch die Forscher
folgerten daraus, dass die Bakterien dann untereinander in den Wettbewerb
treten würden und sich immer weiter teilen und fortpflanzen
würden. Eine Infektion mit mehreren Bakterienstämmen galt
daher besonders ungünstig für den Menschen.
Zitiert nach einem Bericht in SPIEGEL online.
Zum Kapitel „Die Schlacht im Mund“
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