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Die Haltung von Haustieren gilt generell nicht als hygienisches
Problem. Die Keime im Speichel unserer Katzen und Hunde sind wohlbekannt
und für den Menschen ungefährlich.
Bei operativen Eingriffen ist jedoch eine gewisse Vorsicht geboten,
da sich der Speichel der Haustiere auch auf dem Fell unserer Lieblinge
findet und ein vermehrtes Keimangebot herrscht. Bei erhöhter
Infektionsanfälligkeit, wie sich nach der Entfernung eines
oder mehrerer Zähne auftritt, ist darauf zu achten und daher
das Streicheln der Tiere vorübergehend zu unterlassen, so beruhigend
und blutdrucksenkend dies auch sein mag.
Grundsätzlich ist zu bedenken:
Durch das bloße Streicheln des Hundefells können sich
Menschen (selten, aber doch) mit dem Fadenwurm Toxocara canis
infizieren, berichten britische Forscher im Fachblatt New Scientist.
Im schlimmsten Fall kann eine solche Infektion zur Erblindung des
Menschen führen. Hundebesitzern wird daher zur erhöhten
Sorgfalt und vor allem dazu geraten, sich nach
dem Kontakt mit den Vierbeinern die Hände zu waschen.
Allein in den USA infizieren sich jährlich etwa 10.000 Menschen
- vorwiegend Kinder unter zwölf Jahren - mit dem Fadenwurm.
Der im Hundedarm lebende Wurm kann bis zu 20 Zentimeter lang werden.
Bei einer Infektion kann sich der Wurm hinter dem Auge entwickeln,
zu Läsionen, die die Sicht einschränken, und mitunter
zur Blindheit führen. Auch eine Schädigung anderer Organe
wie Leber oder Lunge ist möglich.
Untersucht wurden 60 Hunde, berichtet der britische
Veterinärmediziner Ian Wright im Fachblatt The Veterinary
Record (http://www.vetrecord.co.uk/index.htm).
Bei einem Viertel der Hunde fanden Wright und seine Kollegen Wurmeier
im Fell. Drei der insgesamt 71 untersuchten Eier enthielten reife
Wurmembryonen, die Menschen infizieren können. Bei 25 Prozent
der Eier begannen sich die Embryonen bereits zu entwickeln. Die
zum Teil gefundene Eiermenge übertraf jene, die im Boden enthalten
sein kann, bei weitem. Im äußersten Fall waren es bis
zu 180 Eier pro Gramm Fell. Da die Eier sehr klebrig sind und leicht
durch das Streicheln des Tieres entfernt werden können, wird
Hundebesitzern mit Babys und Kleinkindern im selben Haushalt besondere
Hygiene angeraten.
Die Heimtierhaltung hat viele positive Aspekte:
•Steigerung der Lebensqualität,
•Reduktion des Medikamentenverbrauches
bei chronisch Kranken,
•Steigerung des sozialen Wohlbefindens,
•Blutdrucksenkung,
•Blutfette- und Cholesterinspiegelsenkung,
•Unterstützung der Trauerarbeit beim
Verlust naher Angehöriger.
•Immer mehr werden Tiere in der AAT (animal assisted therapy)
eingesetzt (Hippotherapie; Delphintherapie; Signalhunde, die bei
Epileptikern einen Anfall vorausahnen und entsprechend warnen können).
Allerdings:
Auch
klinisch gesunde Tiere können Dauerausscheider
oder Träger
von humanpathogenen Keimen sein. |
Pasteurellose:
Nachweisquote bei Hunden 50%, Katzen bis zu 90%, gramneg. Bakt.,
Wundinfektionen (bei Hunden 5%, bei Katzen bis zu 50% bei tieferen
Wunden), Abszesse, Lymphknotenentzündungen, Periostitiden,
häufig starke subjektive Beschwerden bei auffällig geringer
klinischer Symptomatik.
Zwei Erkrankungen mit einer grippeähnlichen Symptomatik:
Katzenkratzkrankheit
(Bartonellose): mindestens 13% der Katzen sind infiziert,
in anderen Ländern werden höhere Durchseuchungsraten angegeben.
Übertragung durch Biß- und Kratzwunden oder Schmutz-
und Schmierinfektion, die bei engem Tierkontakt leichter möglich
ist als einem lieb sein kann. Verlauf: Ähnlich einem grippalen
Infekt, entzündlich-eitrige Lymphknotenschwellungen, meist
einseitig, (Nacken, Achselhöhle, Leistengegend). In Deutschland
wird die Bartonellose meist nicht erkannt, in den USA gibt es immerhin
20.000 Krankheitsfälle pro Jahr, wovon immerhin 2.000 stationär
erfolgen.
Chlamydophila psittaci-Infektionen:Leider
noch viel zu wenig bekannt und beachtet ist folgende Tatsache: Nicht
nur Vögel, auch andere Haustiere können Träger der
Ornithose-Erreger sein. Die Nachweisquote ist bei Hunden 9%, bei
Katzen bis zu 13%. Wir Zahnärzte denken bei Ornithose vielleicht
in erster Linie an die lebensbedrohliche Pneumonie, aber es gibt
auch unauffällige und unverdächtig erscheinende schwerere
grippeartige Infektionen (mit Gelenks-, Muskel- und Kopfschmerzen).
Achtung: Keine Liebkosungen mit Katzen,
bei denen ein Augenausfluss erkennbar ist! Augenbindehauterkrankungen
drohen!
Prophylaxe
1.) Das Tier sollte nicht
im Bett des Menschen schlafen, der Schlafplatz
des Tieres sollte unbedingt sogar außerhalb des Schlafzimmers
sein.
2.) Der Schlafplatz des Tieres, aber auch Decken,
Pölster und Teppiche müssen besonders
häufig gereinigt werden.
3.) Bei Ekzemen und Neurodermitis:
Tierkontakte minimieren.
4.) Achtung bei offensichtlich kranken Tieren, z. B. bei
solchen mit schlecht heilenden Hauteffloreszenzen! (Cave
Katzenpocken, auf die wir hier nicht näher eingehen
können, immerhin kürzlich ein tödlich verlaufender
Katzenpockenfall (Ekzempatient) in Deutschland).
5.) Kinder im Urlaub in Südeuropa nicht mit frei lebenden
Katzen und Hunden spielen lassen!
6.) Tiere im (Zahn-)Arzt-Haushalt: Alle Impfungen der Tiere
einhalten, zeitnahes Entfernen von Ektoparasiten (Flöhe
etc.), regelmäßige Entwurmung, sofortiger Tierarztbesuch
schon bei den ersten Krankheitsanzeichen. |
Wichtig ist die Beachtung der Allergenverschleppung
sogar auch durch die Kleidung von Personen mit Tierkontakt (Kleidungswechsel,
ev. Verzicht und/oder Ausweichen auf andere Tierart).
Albert Weber und Andreas Schwarzkopf:
Heimtierhaltung – Chancen und Risiken für die Gesundheit.
Hrsg.: Robert Koch-Institut. Berlin [29. 12.] 2003.
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