Gute Mundhygiene zahlt sich aus


Gute Mundhygiene zahlt sich angeblich gar nicht aus
In einem kürzlich erschienenen „Spiegel“-Artikel äußerte sich Prof. Sawicki, Leiter des Kölner Institutes für evidenzbasierte Medizin sehr zum Erstaunen der Zahnmediziner: „Zähneputzen wird überbewertet“. Diese Schlußfolgerung zog Sawicki aus 29 wissenschaftlichen Arbeiten aus den vergangenen beiden Jahrzehnten. Studien, deren Autoren zur gegenteiligen Ansicht kamen, blieben unberücksichtigt.
Ob damit der evidenzbasierten Zahnheilkunde ein guter Dienst erwiesen wird, und das von einem Nicht-Zahnmediziner, ist eine andere Frage.

Und wie wird diese Frage von Zahnmedizinern beantwortet?

Gute Mundhygiene zahlt sich sehr wohl aus
Zu diesem Ergebnis kommt eine 30-Jahres-Studie. Die intensive Instruktion und Motivation der Patienten, sorgfältige Mundhygienemaßnahmen durchzuführen, verhindert weitgehend die Entstehung von Karies und Parodontitiden, so das Ergebnis einer schwedischen Langzeitstudie zum Thema Prophylaxe.

Der entscheidende Faktor bei der Entstehung von Karies sowie Parodontalerkrankungen ist das Vorhandensein von Belägen. Um diesen Krankheiten vorzubeugen, müssen in erster Linie wirksame Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Plaque ergriffen werden. Eine Studie der Universität Göteborg analysierte jetzt die Ergebnisse einer Studie zur Verbesserung der Mundhygiene, die sich über 30 Jahre erstreckte.

357 Patienten nahmen an der Studie teil, die im Jahr 1971 initiiert wurde. Sie wurden über 30 Jahre hinweg intensiv in einer privaten Praxis betreut und zu mehreren Zeitpunkten klinische Parameter wie Plaqueindex, Vorhandensein kariöser Läsionen, Sondierungstiefe und Attachmentlevel bestimmt. Die Patienten wurden sorgfältig in Selbstbeobachtung und Mundhygienemaßnahmen geschult und erhielten mehrere professionelle Prophylaxesitzungen.

Die Hauptursache für Zahnverluste waren übrigens Wurzelfrakturen! Diese können auch durch die beste Mundhygiene nicht verhindert werden.

1. Kressin, N.R., Boehmer, U., Nunn, M.E., Spiro, A.: Increased preventive practices lead to greater tooth retention. J Dent Res 82, 223–227 (2003)
2. Sawicki, P.T.: „Zähneputzen wird überbewertet”. Der Spiegel 17/2004, S. 183
3. Socranski, S.S., Haffajee, A.D.: Dental biofilms: difficult therapeutic targets. Periodontol 2000, 12 – 55 (2002)
4. Türp, J.C., Antes, G.: Evidenzbasierte Zahnmedizin. Dtsch Zahnärztl Z 55, 394–400 (2000)
5. Axelsson, P et al: The long-term effect of a plaque control program on tooth mortality, caries and periodontal disease in adults. J Clin Periodontol 2004; 31: 749–757