Stillen

•Stets parat
•hygienisch verpackt
•richtig temperiert
•optimal zusammengesetzt
•und das zum Nulltarif

Muttermilch ist die beste Ernährung für ein Neugeborenes. Sie enthält alles, was ein Baby braucht. Stillen bedeutet aber auch Begegnung, Berührung, Wärme, Geborgenheit, Vertrauen und Lust. Fast jede Frau kann stillen, wenn sie liebevoll und kenntnisreich angeleitet wird.

Muttermilch ist die beste Ernährung für den Säugling. Ihre Zusammensetzung ist seinen Bedürfnissen genau angepasst. Sie enthält lebenswichtige Vitamine, Spurenelemente, Nähr- und Abwehrstoffe und wird vollständiger als jede andere Nahrung vom Körper verwertet. Gestillte Kinder sind weniger anfällig für Infektionskrankheiten, weil die Muttermilch reich an Abwehrstoffen ist. Erkranken sie trotzdem, sind Dauer und Verlauf der Infektion kürzer und leichter.

Nahrungsmittelallergien, die besonders häufig durch die Unverträglichkeit von Kuhmilch entstehen, werden durch die Muttermilch verhindert.

Die Gebiß- und Gaumenentwicklung wird durch das stärkere Saugen an der Brust erleichtert. Das ist für die richtige Zahnstellung von Bedeutung. Aber auch Kieferanomalien sind bei gestillten Kindern wesentlich seltener.

Die Häufigkeit akuter lymphatischer und myeloischer Leukämien sinkt um mehr als 20%.

Übergewichtigkeit ist signifikant seltener.

Auch die psychomotorische und soziale Entwicklung scheint durch das Stillen positiv beeinflusst.

Nach neuesten Untersuchungen scheint auch der IQ bei mindestens 6 Monaten voll gestillten Kindern je nach Geburtsgewicht um bis zu 11 Punkte höher zu sein.

Bei jedem Stillen werden alle fünf Sinne des Babys angeregt: es sieht, spürt, hört, schmeckt und riecht die Mutter!

Stillen ist auch für die Mutter gesund
Beim Stillen wird das Hormon Oxytocin freigesetzt, das die Rückbildung der Gebärmutter fördert. Das ist der beste Schutz gegen Infektionen im Wochenbett. Medikamente zur Gebärmutterrückbildung sind bei stillenden Frauen normalerweise nicht notwendig. Frauen, die gestillt haben, erkranken seltener an Brustkrebs (bei kumuliertem Stillen von 2 Jahren um über 40% seltener!) Von der Bequemlichkeit, durch die ständige Bereitschaft ohne besondere Vorsorge ganz zu schweigen. Stillen spart Zeit, Geld und Arbeit. In der Brust steht die Muttermilch jederzeit ideal verpackt, richtig temperiert und keimfrei zur Verfügung. Die lästige und zeitaufwendige Zubereitung der Babynahrung entfällt. Ein gestilltes Kind erspart nicht nur die teure Babynahrung, sondern auch eine ganze Reihe anderer Utensilien. Ersparnis pro Monat: ca. € 70.-. Darüber hinaus sind gesunde Kinder eine zusätzliche Zeit- und Geldersparnis.

Muttermilch braucht keine aufwendige Erzeugung, Verpackung, Lagerung, Transport und Verteilung. Stillen spart Rohstoffe und Energie. Stillen ist umweltfreundlich – es wird kein Abfall produziert. Zusätzlich führen gesündere Kinder zu weniger Pflegefreistellungen. Die Stillhormone Prolaktin und Oxytocin stimulieren mütterliches Verhalten und unterstützen die Umstellung auf die Mutterschaft (Kerstin Uvnas-Moberg, „Hormone release in relation to physiological and psychological changes in pregnant and breastfeeding women“). Stillförderung und Stillberatung ist die kostengünstigste und effizienteste Präventivmaßnahme im Gesundheits- und Sozialbereich! Welche Wege zum erfolgreichen Stillen? Die beste Stillvorbereitung findet im Kopf statt – nicht an der Brust! Zunächst sollten die Frauen so viel Informationen wie möglich über das Stillen bekommen: Bücher über das Stillen und Erfahrungen anderer stillender Mütter (Stillgruppe) sind hilfreich. Sicher nicht nötig ist spezielle Abhärtung der Brustwarzen! Eine besondere Vorbereitung ist nur bei Flach- oder Hohlwarzen sinnvoll. Dann sollten die betroffenen Frauen ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel Brustwarzenformer (im Sanitätsfachhandel erhältlich) tragen.

Wie funktioniert die Brust?
Die Milchproduktion ist ein Wechselspiel zwischen Nachfrage und Angebot. Je früher und häufiger das Baby in den ersten Stunden und Tagen an der Brust saugt, desto besser fließt die Milch. Das Saugen an der Brust sorgt für die Ausschüttung des Milchbildungshormons Prolaktin. Saugt das Kind selten an der Brust, wird wenig Milch gebildet. Das Hormon Oxytocin bewirkt das Fließen der Milch. Angst und Verspannung können diesen Milchflussreflex stören. Das Kind bleibt hungrig, Brustschwellungen, Milchstaus und Brustentzündungen können die Folge sein. Entspannung (heiße Dusche, Massage, autogenes Training usw.) fördert das Fließen der Milch. Häufige Gabe von Tee oder häufiges Saugen am Schnuller können das System von Angebot und Nachfrage stören.

Stilltechnik
Beim Stillen sollte es bequem sein: z. B. entspanntes Sitzen oder Liegen. Auch das Baby sollte bequem mit seinem ganzen Körper der Mutter zugewandt sein. Nach anfänglichen Suchbewegungen öffnet es den Mund ganz weit und wird eng an die Brust herangezogen. So kann es die Brustwarze und das Brustgewebe rund um den Vorhof gut erfassen und entspannt saugen. Zuerst sollte es an einer Brust lange trinken (ungefähr 15 bis 20 Minuten), bevor die zweite Brust angeboten wird. Kein Baby muss nach einer bestimmten Zeit „fertig gegessen“ haben. Jedes Kind hat andere Gewohnheiten. Langsame Genießer können bis zu einer halben Stunde für eine Brust brauchen, während hungrige Schnelltrinker schon nach zehn Minuten fertig sind. Wann ein Säugling wieder hungrig ist, hängt davon ab, wieviel er bei einer Mahlzeit trinkt. Es gibt keine Norm. Manche Kinder wollen alle zwei Stunden an die Brust, manche haben längere Abstände. Anfangs kann das Stillen noch sehr unregelmäßig sein. Die Mütter sollten darauf vertrauen, dass sich nach einige Wochen von ganz allein ein Rhythmus einstellt, der für sie und ihr Baby stimmt. Das Saugen an der Brust befriedigt nicht nur das Bedürfnis des Kindes nach Nahrung, sondern auch das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Nicht umsonst bieten daher junge Mütter die Brust zur Beruhigung an. Aber Vorsicht: nicht jedes Baby schreit um Nähe und Stillen ist keine adäquate Reaktion. Schreien und reflexartiges Anlegen wird von PsychologInnen auch mit Frustessen im Erwachsenenalter in Zusammenhang gebracht. Saugt das Baby nur an der Brustwarzenspitze und ist nicht eng genug am Körper der Mutter, entstehen wunde Brustwarzen und auch die Milchbildung wird nicht so gut angeregt. Das Kind bekommt weniger Kolostrum und der Milcheinschuss kommt später.

Brustpflege nach dem Stillen
Milch und Speichel des Kindes nach dem Stillen antrocknen lassen. Stilleinlagen aus Baumwolle, öfter wechseln. Feuchtigkeit vermeiden. Bei trockener Haut nach dem Stillen dünn „Lansinoh®“ auftragen.

Bekommt das Baby genug
Es gibt keine minderwertige Muttermilch. Ein Kind, das nach dem Füttern zufrieden ist, verhungert nicht. Es genügt, das Baby einmal in der Woche zu wiegen. Es sollte in dieser Zeit 120 bis 200 Gramm zugenommen haben. Der tägliche Wiegestress vor und nach dem Anlegen verunsichert nur. Durch eine einfache Methode kann festgestellt werden, ob das Baby genug trinkt: In 24 Stunden sollte das Kind sechs- bis achtmal nasse Windeln und in den ersten 4–6 Wochen auch 3 bis 5 mal täglich Stuhl haben (Cave: ab etwa einem Alter von 4 Wochen kann es in Einzelfällen sein, dass voll gestillte Säuglinge auch nur alle 10 Tage Stuhl haben!). Neugeborene, die in den ersten zwei Lebenswochen mehr als 10 Prozent ihres Geburtsgewichtes abnehmen, bzw. ihr Geburtsgewicht nach zwei Wochen nicht wiedererlangt haben, müssen kinderärztlich betreut werden. Ein längerer Zeitraum als zwei Wochen bedeutet nicht unbedingt, frau müsste schon zufüttern. Aber mitunter ist es hilfreich, das Stillmanagement kritisch anzuschaun und unter Umständen genügen schon kleine Änderungen und es wird nicht nötig, künstliche Babynahrung zuzufüttern.

Stillen in den ersten Lebenstagen?
Die Angst, dass ein Baby in den ersten Tagen verhungern könnte, ist unbegründet. Solange es nicht mehr als 10 Prozent seines Geburtsgewichtes verliert und nicht auffallend viel schreit oder manchmal auch zu viel schläft, ist alles in Ordnung. Das Trinken an der Brust ist für Mutter und Kind etwas ganz Neues. Es braucht seine Zeit, bis sich harmonisches Stillen einstellt. Der sicherste Weg zu erfolgreichem Stillen beginnt sofort nach der Geburt. Schon nach 20 bis 30 Minuten (in Einzelfällen auch schon nach 5 Minuten oder erst nach bis zu 4 Stunden) fängt das Baby an, Saugbewegungen zu machen. Manche Kinder trinken sofort, andere brauchen etwas länger und suchen ungeschickt nach der Brust. Die Vormilch (Kolostrum), die das Kind jetzt bekommt, ist besonders reich an Nähr- und Abwehrstoffen. Ein sofort an die Brust gewöhntes Baby führt zu früherem Milcheinschuss, und das Baby erreicht bald schon wieder sein Geburtsgewicht. Es kommt auch seltener zu Fieber und Schmerzen bei der Mutter. Am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt setzt die Milchproduktion voll ein. Am Anfang trinkt das Baby meist völlig unregelmäßig. Abstände zwischen zwei und fünf Stunden sind normal. Es sollte einfach angelegt werden, wann immer es möchte. Nach einiger Zeit haben sich Angebot und Nachfrage eingependelt. Jedes Kind hat seinen eigenen Stillrhythmus. Es trinkt nur, wenn es Lust hat, und entwickelt eine gesunde Beziehung zum Essen. Die erste Erfahrung, die Kinder machen, denen starre Fütterungszeiten und bestimmte Mengen aufgezwungen werden, ist die, dass Hunger und Essen wenig miteinander zu tun haben.

Ernährung in der Stillzeit
Stillende Frauen brauchen keine spezielle Ernährung. Alles gilt, was in der Schwangerschaft richtig war. Mehr Flüssigkeit und eventuell ein wenig mehr essen (ca. 500 Kalorien pro Tag zusätzlich), das reicht. Das Baby zeigt, was es nicht verträgt. Manche bekommen einen wunden Popo von Orangen, andere haben Blähungen, wenn die Mütter Kohl oder Zwiebel essen. Manchmal neigen die Babys zu Bauchkrämpfen, weil die Mutter Kuhmilch nicht verträgt. Es gibt keine generellen Richtlinien, einfach beobachten. Vegetarierinnen können ihre übliche Ernährung beibehalten.

Wann sollte eine Frau besser nicht stillen?
Keine Frau muss stillen. Die Entscheidung für oder wider Stillen sollte ohne Rücksicht auf das ideale Mutterbild getroffen werden. Eine Stillbeziehung wider Willen stört die Harmonie zwischen Mutter und Kind mehr als liebevolle Ernährung mit der Flasche. Absolute Kontraindikationen zum Stillen gibt es wenige: Sicher nicht stillen sollten HIV-positive Mütter und Frauen, die an einer konsumierenden Krankheit leiden. Auch bei einer Galaktosämie des Kindes darf nicht gestillt werden. Nur bei einigen wenigen Medikamenten ist Stillen nicht zu empfehlen.

Als gutes Nachschlagewerk empfehlen wir z. B. Spielmann, Steinhoff „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit“, Gustav Fischer Verlag.

Immer wieder kommt es vor, dass Frauen, die gerne stillen, wegen einer Medikamenteneinnahme zum vorübergehenden Verwerfen der Milch oder zum Abstillen geraten wird, obwohl weder das eine noch das andere nötig ist. Verwirrende Beipacktexte tun dabei das Übrige.