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Zungen-Piercing

Eine Untersuchung der Wr. Univ.-Zahnklinik (Ende 2005) brachte folgendes Ergebnis:

Lippen-Piercings: 72% mit Zahnfleischschäden, 4% Knochenschäden
Bei 72 Prozent (der 50 gepiercten Testpatienten) zeigte das Zahnfleisch leichte bis massive Schäden durch das Unterlippen-Piercing. Das Zahnfleisch ist beim Großteil der Patienten an der Stelle, wo der Verschluss des Piercings auf das Zahnfleisch auftrifft, um einige Millimeter zurückgegangen, so dass die darunter liegende Zahnwurzel frei liegt. 4 % der Patienten zeigten sogar eine Schädigung und Entzündung des darunter liegenden Knochens. Die Zähne selbst hatten minimale bis keine Schäden.
Für die Studie wurden an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik insgesamt 100 Personen im Alter von 14 bis 28 Jahren mit Sonden und Röntgenbildern auf Schäden an Zahnfleisch und Zähnen untersucht.

Verschluss muss richtig sitzen
Wenn es denn schon sein muss, raten die Experten der MUW, beim Setzen eines Lippenpiercings darauf zu achten, dass der Verschluss an der Innenseite nicht auf das Zahnfleisch drücken darf, sondern auf Höhe der Zahnkrone sitzt.

Außerdem dürften Kunststoffverschlüsse weniger schädigend sein als Metallverschlüsse.

Eine jährliche Kontrolle durch den Zahnarzt ist auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Zahnschmuck, Piercing:

Privatleistung oder
Körperverletzung?

1. Zahnschmuck

Das Anbringen eines Zahnschmuckes ist medizinisch nicht notwendig und fällt möglicherweise gar nicht in den Tätigkeitsbereich des Zahnarztes, der ja für Krankheiten und deren Vorbeugung oder Heilung zuständig ist. Da aber der Patient weiß, dass sein Zahnarzt über die nötigen Materialien verfügt, ist es naheliegend, dass er sich dorthin wendet, um sich einen Zahnschmuck ankleben zu lassen.

Das größte Problem wird die Unverletztheit des Zahnes nach der Abnahme des Schmuckes bzw. die forensisch wichtige Frage der ausreichenden Aufklärung über alle möglichen Risiken sein.

Es ist also bei einer solchen Behandlung/Verschönerung aus forensischen Gründen eine gute Aufklärung und Absicherung geboten.

Die Hersteller versprechen, dass der Zahn keine Beschädigung abbekommt. Die Haftung dafür trägt allerdings der Zahnarzt. Wenn der Patient die Zahnpflege vernachlässigt und der Zahn durch die Klebung Schaden nimmt, muß der Zahnarzt gut nachweisen und dokumentieren können, daß er auf dieses Risiko aufmerksam gemacht hat. Bleibt immer noch die Frage bzw. es ist noch nicht ausjudiziert, ob ein Zahnarzt einen gesunden Zahn aus nichtprophylaktischen Gründen überhaupt behandeln darf.

2. Piercing

Zahnfleischtaschen von bis zu acht Millimeter Tiefe schon fünf Monate nach dem Einsetzen des Schmucks! Dies fand John Brooks in einem Aufsatz im Journal of the American Dental Association 2002 heraus.

Je größer und je länger das Zungenpiercing-Metall, desto schlimmer! So lautet die Aussage im Journal of Periodontology (73, 2002, Nr. 3). Jedem Zweiten, der einen über 1,6 Zentimeter langen Zungenschmuck über zwei Jahre trug, drohen Schäden am Gaumen. Wer Zungenschmuck - unabhängig von der Länge - mehr als vier Jahre trägt, erleidet auch Zahnschäden.

Die rechtliche Situation beim Piercing ist noch deutlich ungünstiger.
Jede ärztliche Handlung bedarf einer Indikation (Paragraph 22 ÄG, Paragraph 8 KAG): „Eine Behandlung (ärztliche Handlung) kann nur aufgrund einer Indikation erfolgen.“)
Der Wunsch des Patienten ist keine Indikation.
Es drohen
•Nasenflügelnekrosen,
•Lippenhämaton (mit Infektionsgefahr!) sowie
•Zungenhämatome.
Judikaturen zu diesem Thema gibt es derzeit noch keine. Auf der Universtität wird Percing nicht gelehrt, ein Arzt/Ärztin verfügt demnach über keine Ausbildung.

Beim Setzen eines Zungen-Piercings kann es (zwar selten, aber doch) zu einem lebensbedrohlichen Anschwellen der Zunge und damit zu einer totalen Blockade der Atemwege kommen.
Quelle: Dr. Pierre-Jean Loup und Dr. Andrea Mombelli in DZW online 01/2003

Wenn man sich gepiercte Schleim- oder Hautstellen näher ansieht, muß man leider oft chronische Schleimhautirritationen feststellen, die für das ungeübte Auge des Laien vielleicht nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.

Über einen Fall einer Gingiva-Rezession von sechs Millimetern Tiefe, so dass eine Parodontalsonde bis auf den Bereich des Mundbodens (!) vordringen konnte, ist in der Fachpresse nachzulesen. Auch fünf Monate nach Entfernung des Piercings hatte sich der Zustand noch immer nicht gebessert.
Zahnmedizin (92, 2002, 48)

Ein Rückgang des Zahnfleisches durch Unterlippen-Piercings wurde bei mehreren Patienten nachgewiesen, die sich die Unterlippe mit einem Metallstift piercen ließen.
Quelle: Dr. Pierre-Jean Loup und Dr. Andrea Mombelli in DZW online 1/2003

Und was die Auswirkung auf den Gesamtkörper betrifft, ist eine gepiercte Körperstelle eine mögliche Eintrittspforte für viele Krankheitserreger.

Es ist mit folgenden Komplikationen zu rechnen:
•Leberschäden (Hepatitis)
•Herzerkrankungen (Endocarditis)
•Nierenerkrankungen (Poststreptokokken-Glomerulonephritis)
•Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) und andere mehr, die vorstehende Aufzählung erhebt keinesfalls Anspruch auf die Vollständigkeit, wie sie in der einschlägigen Literatur gegeben ist.

Da das Metall (Titan, Chirurgenstahl) härter als der Zahn ist, sind Schmelz-Absplitterungen bzw. Beschädigungen des Zahnes nicht auszuschließen. Auch ein örtlicher Rückgang des Zahnfleisches ist zu befürchten. Es gehört zur Aufklärungspflicht des Zahnarztes, seine Patienten darauf hinzuweisen.

Leider werden bei gepiercten Patienten häufiger als sonst auch Allergien beobachtet, ja sogar das Auftreten eines toxischen Schock-Syndroms ist möglich. Wer sich genaue Informationen über den Piercing-Vorgang selbst holen will, dem sei die Zeitschrift „Hygiene und Medizin“, April 2000, S. 142 bis 144, empfohlen.

Leider gibt es derzeit keinen Berufsstand, der für das Piercen ausgebildet ist. Jeder Piercer bewegt sich im gesetzesfreien Raum. Wer sich piercen lassen will, ist also auch weiterhin auf „Behandlungen“ in Hinterzimmern oder Urlaubsstränden etc. angewiesen. Eine gesetzliche Regelung und Kanalisierung in Richtung Chirurgen (Oral-, MKG-Chirurgen), Gynäkologen/Urologen etc. wäre auch durchaus wünschenswert, vor allem auch für den „Kunden“, der ja kein Patient ist und schlimmstenfalls durch diese Modeerscheinung erst zum Patienten wird.

Unter der Internetadresse http://www.eurobeauty.at/piercing.htm findet sich eine Liste von Adressen, die (unter dem schützenden Mantel der derzeit bestehenden Rechtslücke) Piercing vornehmen.


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