Rheuma und Zahnfleischerkrankungen


Zwischen den vielen Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises und der Parodontose, einer Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankung, dürften noch einige unerforschte Zusammenhänge bestehen. Leider weiß man über Rheuma-Erkrankungen noch immer viel zu wenig, obwohl sehr viel darüber geforscht wird.

Eines steht jedoch fest:

Wenn die Zähne nicht mehr fest mit dem Knochen verwachsen, sondern bereits gelockert sind und damit ein Teil des knöchernen Zahnbettes fehlt, siedeln sich in diesem neu entstandenen Raum Bakterien an. Diese werden durch das Kauen harter Speisen oder durch das Zähneputzen in die Blutbahn befördert. Im Blut müssen sie dann von der Immunabwehr des Körpers zerstört werden. Sollte es dabei zu kleinen Pannen kommen und ein Teil eines Bakteriums einem Teil eines Gelenkes ähneln, greift der neu entstandene Antikörper sowohl das Bakterium wie auch gleich sozusagen versehentlich das körpereigene Gelenk an. Das ist zwar nicht erwünscht, kommt aber leider vor.

Außerdem können sich während des Verweilens der Bakterien im Blut bereits gebildete Verdickungen der Herzkranzgefäße entzünden, was zu einer Zunahme der Verdickung und in weiterer Folge zum Herzinfarkt führen kann. Außerdem verschlechtert die vom Patienten nicht beeinflussbare Aussaat von Bakterien in das Blut die Situation für Diabetiker, und auch Schwangerschaftskomplikationen können auftreten.

Provokant gefragt: Sollten daher Leute mit einer Neigung zur Arteriosklerose, also Verdickungen und Fetteinlagerungen in den Arterien, wie auch Diabetiker und Schwangere am besten nicht ihre Zähne putzen und nichts Hartes essen?

Weit gefehlt, der Zahnarzt muß der Parodontose massiv entgegentreten!

Das Heimtückische an der Parodontose ist der für den Patienten völlig beschwerdefreie Verlauf der Erkrankung. Er merkt nichts davon und weist trotzdem im Mund eine Wundfläche von mehr als 50 Quadratzentimetern auf, wenn viele Zähne betroffen sind. Eine Wunde gleicher Flächenausdehnung am Handrücken wäre äußerst auffällig und würde sofortige Therapiemaßnahmen notwendig machen!

Fallbeispiel: 33jährige Sportlerin klagt über Kniegelenks-Beschwerden, die unabhängig von der sportlichen Belastung auftreten, aber trotzdem das Training teilweise unmöglich machen. Zähne gut gepflegt, keine Beschwerden. Bei der zahnärztlichen Untersuchung stellt sich heraus, daß ein nur einziger (!) Zahn eine Knochentasche aufweist. Nach deren Sanierung verschwinden die rheumatisch bedingten Gelenksbeschwerden innerhalb von vierzehn Tagen. Das Sport-Training kann wieder aufgenommen werden und führt zu keinen weiteren Knieschmerzen.

Hinweis: Nicht immer kann mit so einfachen Mitteln geholfen werden, so sehr sich der Patient und der Zahnarzt dies auch wünschen würden. Aber man soll die Parodontose nie aus dem Auge verlieren, wenn man bei vielen Krankheiten eine ursächliche Therapie sucht!